Thomas Gottheil, Meinungsmacher in der deutschen E-Commerce Szene und Gründer von Frontastic, spricht mit uns im Interview über seine spannende Vision des Shoppings von Morgen. Dabei betrachten wir die Entwicklung des Handels bis heute, diskutieren aktuelle Herausforderungen wie Kundenzugang oder Lean Management und entwickeln innovative Ideen für eine erfolgsträchtige Commerce-Strategie der Zukunft.


Hallo Thomas, vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, mit uns über das spannende Thema Shopping der Zukunft zu sprechen. Zunächst interessiert uns natürlich dein beruflicher Background. Bitte stell dich kurz vor. 

Sehr gerne. Ich bin Thomas, 39 Jahre und Gründer von Frontastic. Ich bin seit 1999 im E-Commerce unterwegs und habe damals gemeinsam mit Stefan Hamann, dem Gründer von Shopware, meinen ersten Online-Shop aufgebaut. 2005 habe ich Shopmacher gegründet. Damals haben wir das E-Commerce Geschäft für Marken auf- und ausgebaut, zum Beispiel einige Jahre für Zippo-Feuerzeuge und Schiesser Unterwäsche.


K5 Future Retail Conference 2018(5) KopieThomas Gottheil ist in der deutschen E-Commerce Szene sehr bekannt und gut vernetzt. Er ist außerdem auch als Speaker häufig auf Konferenzen zu Gast.


Shopmacher hat sich dann zum Systemintegrator entwickelt und ist heute mit ungefähr 80 Mitarbeitern erfolgreich am Markt etabliert. Seit Anfang des Jahres konzentriere ich mich aber voll und ganz auf unser neues Start-up Frontastic.

Wie haben sich aus deiner Sicht die Anforderungen an Online-Shops in den letzten 10 bis 15 Jahren verändert?

Vor 10 bis 15 Jahren stand Commerce ja noch komplett am Anfang. Damals hatte man einen klassischen Webshop – punkt. Es gab also kein Omnichannel, keine mobile-first Strategien und auch kein beherrschendes Amazon.
Damals konnte man mit einem wenig ausgeprägten Professionalisierungsgrad, aber viel Kreativität und Pragmatismus, relativ leicht Marktanteile erobern.

Welchen Herausforderungen müssen sich Händler in Zeiten von Omnichannel Commerce heute stellen?

Wenn ein Händler vergleichbare Sortimente anbietet, ist das – bei der Transparenz des Internets – schlecht, da muss er raus. Schlussendlich dreht sich alles um den Kundenzugang: Wie kann der Händler dafür sorgen, dass der Kunde immer wieder zurückkommt? Und durch den steigenden Professionalisierungsgrad und die Marktdynamik geht es auch massiv um das Managen sowie die Reduktion von Komplexität.


decide_KreuzungHändler sehen sich komplexen und sich stetig verändernden Herausforderungen gegenüber. Durch agiles Handeln lassen sich diese besser bewältigen.


Wie können Händler diese Herausforderungen bewältigen?

Zuallererst müssen Händler ganz nah am Kunden sein sowie deren Wünsche und Insights verstehen. Dann sollten sie Lösungen innerhalb einer möglichst agilen Organisation vorantreiben, nach dem Motto „testen, lernen, ausbauen“. Sie sollten außerdem die Prozesse standardisieren und effiziente technische Lösungen schaffen, aber so, dass in der Schnittstelle zum Kunden kreativ und wirksam gearbeitet werden kann. Da will ich nicht für jede neue Idee erst ein 100 Personentage-Projekt an den Start bringen müssen...

Was können Online-Shop Betreiber tun, um sich von der Konkurrenz abzuheben?

Relevanter sein!

Shop-Betreiber sollten Politik und eine „das haben wir immer schon gemacht“-Attitüde in den Hintergrund stellen und nur noch den Kunden im Blick haben. Darauf werden dann alle IT-Systeme und Prozesse ausgelegt, sodass die Technik vom Bremser zum Beschleuniger wird.

Um mal ein paar konkrete Beispiele zu nennen: Gebt dem Kunden die Artikel, die er sucht – heute sind 50% aller Suchen im Online-Shop ein Obergraus. Traut Euch „mobile only“-Konzepte zu fahren: Wenn doch 60 bis 70% der Besucher über ein Smartphone auf das Frontend kommen – warum noch responsive Design-Kompromisse? Und spendet Euren Auftritten Liebe und Persönlichkeit an allen Ecken und Enden: Von der Startseite, über persönliche Texte in der automatischen E-Mail bis hin zu einer kleinen Überraschung im gelieferten Paket.

Ich glaube, Unternehmen müssen neben dem USP ihre „Unique-Frontend-Proposition“ entwickeln. Das ist der eindeutige Mix aus ihrem Business Model, den sinnvollen Features, einer passgenauen Experience und einem ansprechenden Visual-Design.


Unique Frontend PropositionDie Unique Frontend Propositon (UFP) von Thomas Gottheil. Händler sollten sich Gedanken zu einem Mix aus Business Model, sinnvollen Features, einer großartigen Experience und ansprechenden Visuals machen.


Wohin wird sich aus deiner Sicht der E-Commerce in den nächsten Jahren entwickeln?

Aus Business-Sicht sehe ich verschiedene Entwicklungen auf uns zukommen: Vergleichbare Standardprodukte werden noch häufiger über die großen Plattformen, also Otto & Co., gekauft werden. Das gibt aber zeitgleich auch Spielraum für neue Konzepte und Services von Retailern und Marken: Sie können mit exklusiven Produkten, Services, Content und der Verknüpfung von On- und Offline punkten. Auch bin ich mir sicher, dass Voice Commerce noch kommt, sobald der „UX-Code“ geknackt ist. Das muss sinnvoll und mit Spaß funktionieren.


Voice Commerce

Ein neuer Verkaufskanal, der in der Zukunft voraussichtlich für immer mehr Konsumenten relevanter werden wird: Voice Commerce.


Aus Technik-Sicht wird es ebenfalls einige interessante Entwicklungen geben. Alles wird zum Service und geht in Richtung API. Prozesse, Daten und Frontends sind komplett voneinander entkoppelt, egal ob Webshop, mobile Frontend, Voice,.... Alles geht in die Cloud. Aus meiner Sicht ist das auch der einzige Weg, wie Unternehmen der hohen Dynamik ansatzweise Stand halten können.

Wie müssen sich Händler für die Zukunft aufstellen, um wettbewerbsfähig zu sein?

Wettbewerbsfähig wird der Händler sein, der einen guten Kundenzugang hat, effizient in Technik und Prozessen ist sowie agil denkt und handelt – vom Management bis hin zu jedem einzelnen Mitarbeiter. Nur wer sich immer wieder hinterfragt und seinen Wettbewerbern zwei bis drei Schritte voraus ist, wird eine Berechtigung im Commerce der Zukunft haben.


Frontastic

Frontastic® ist die Cloud-Plattform, die E-Commerce-Teams in die Lage versetzt, ihre Ideen auf einfache Weise agil umzusetzen. IT-Teams erhalten eine Entwicklungsumgebung, mit der sie stabile, wertschöpfende Lösungen erstellen und skalierbar ausliefern. Frontastic® ist das erste „Frontend-as-a-Service”.

Webseite: www.frontastic.cloud

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Thomas Gottheil

Thomas Gottheil ist Co-Founder der FRONTASTIC GmbH und seit über 15 Jahren im Digital Commerce unterwegs. Zuvor war er über 10 Jahre Geschäftsführer der E-Commerce Spezialagentur Shopmacher.

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